Da meine Funktastatur nun schon seit einiger Zeit ihren Dienst an meinem Wohnzimmer-Rechner tut, musste nun fürs Arbeitszimmer endlich mal etwas Neues her. Die Linux-Tastaturen von Cherry sind nun ja schon seit einigen Jahren überall erhältlich und da ich es zum einen unterstützenswert finde, wenn Hersteller mit Ihren Produkten auch Linux-Anwender ansprechen wollen und zum anderen auch etwas neugierig bin habe, ich mir nun einmal eine solche Tastatur bestellt.
Mit den Vibrators auf den Ohren, einem kühlen Bitburger neben mir und diesem neuen Tastenbrett vor mir , bin ich nun also gewillt das schöne Stück für die Leserschaft auf Herz und Nieren zu testen, wie es sich gehört.
Angeschlossen ist das Gerät an mein Toshiba Satellite M30. Als Betriebssystem benutze ich Kubuntu 7.10 und als Desktop-Environment dient mir KDE in der Version 3.5.8.
Optisch macht die Cherry auf mich einen recht guten Eindruck. Es ist natürlich kein Designer-Stück wie sie aus der Apfel-Fraktion bekannt sind. Mir persönlich gefällt natürlich, dass die Tastatur exakt die Farbe meines Laptops hat. Leider fühlt sich jedoch das silberne Plastik über und unter dem Tastenfeld etwas billig an.
Den Tasten-Anschlag empfinde ich demgegenüber als sehr angenehm. Etwas schlecht positioniert sind jedoch die 5 Funktionstasten, die das Tastenfeld jeweils zur Linken und zur Rechten abschließen. Schon jetzt ist es mir das ein oder andere mal passiert, dass ich statt [strg] versehentlich die daneben liegende Funktionstaste getroffen habe.
A Propos Funktionstasten: Hier hätte ich mir von einer Linux-Tastatur schon gewünscht, dass sie etwas mehr auf die Bedürfnisse eines Linux-Benutzers eingeht. Statt dessen bekommt man mit der Cymotion Master Linux eine exakte Kopie der CyMotion Master XPress. Der einzige Unterschied liegt in der “Tux Taste”, bei der das Linux-Maskotchen das berühmte Windows-Fähnchen ersetzt. Schade, hier hätte ich mir mehr vorstellen können. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Umschalter für die Arbeitsflächen gewesen oder mit einer Taste, die die Konsole startet? Die vorhanden Sondertasten lassen sich in die Kategorien “Browser” (reload, suchen, etc.) , “Musik” (Lautstärke, Lied vor, Lied zurück, etc.) , “Anwendungsstarter” (Taschenrechner, E-Mail und Browser) sowie “Funktionstasten” (copy & paste, undo, redo, etc.) unterteilen.
An den USB-Port angeschlossen funktionieren die “Musik”-Tasten tadellos. Die Lautstärke ist mit Stufen von 13% etwas grob. Da hat man dann die Wahl zwischen “Ich hör nix” und “Die Nachbarn fallen aus dem Bett”. Die Taste “Taschenrechner” startet den SpeedCrunch und ein Drücker auf die Taste mit dem Briefumschlag öffnet wie erwartet ein Fenster von KMail in das ich eine E-Mail tippen kann. Da KMail bei mir der Arbeitsfläche “E-Mail” zugeordnet ist öffnet sich das Fenster natürlich dort. Ein automatischer Wechsel zu dieser Arbeitsfläche findet nicht statt. Naja, man kann nicht alles haben. Vielleicht kommt das ja mit der nächsten Cherry Linux KDE-Edition ;-)
Da die anderen Funktionstasten noch keinen Mucks tun, versuche ich nun die Treiber von der beigelegten CD zu installieren. Auf der CD befindet sich neben einer Datei namens “start.exe” (rofl) und mehreren Verzeichnissen, darunter ein Verzeichnis “browser” in dem sich Dateien zur Installation des Internet Explorers 6 befinden (rofl hoch 10), ein Ordner mit dem Namen “Linux”. Dort entscheide ich mich für das Verzeichnis “Debian” und versuche mittels dpkg -i *deb das entsprechende Paket zu entpacken. Das Ergebnis: 8 Abhängigkeitsfehler die sich auf die schnelle auch nicht lösen lassen
Nun gut. Kubuntu basiert zwar auf Debian, ist aber nicht Debian. Mal schauen was die Webseite sagt. Und siehe da, es gibt den Treiber als Quellcode, den ich gleich mal in /usr/local/src/keyman entpacke. Nach dem ausführen von sh configure_kde.sh werde ich dann auch nacheinander aufgefordert libqt3-mt-dev, kdelibs4-dev, libgtk2.0-dev, libwnck-dev, libbonobo2-dev, libgnome-vfsmm-2.6-dev und libxerces27 -dev zu installieren, was apt-get install auf gewohnt unkomplizierte Art und Weise erledigt.
Nach der Installation dieser Pakete sagt mir configure_kde.sh:
/bin/sh: Syntax error: Bad fd number .
Eine Runde googeln erklärt auch den Grund: Ubuntu linkt /bin/sh nicht auf die bash, sondern auf die schlankere dash. Ein ln -s /bin/bash /bin/sh löst das Problem.
Alles o.k.? Fehlanzeige! configure_kde.sh sagt mir jetzt:
make[2]: *** Keine Regel vorhanden, um das Target »usb.h«,
benötigt von ».setkeymanscancode.o«, zu erstellen. Schluss.
Endgeil! Da habe ich doch gleich keinen Bock mehr!
Statt dessen wende ich mich an die qualifizierten Hefler von ubuntuusers. Nach deren Empfehlung lege ich das Skript /etc/X11/xkb/combat/cymotion an.
In diese Datei kopiere ich folgenden Inhalt:
// $XFree86
// XFree86 special keysyms
default partial xkb_compatibility "basic" {
interpret.repeat= True;
//Ctrl+C for Copy
interpret XF86Copy {
action = Redirect(Key=<AB03>, modifiers=Control);
};
//Ctrl+V for Paste
interpret XF86Paste {
action = Redirect(Key=<AB04>, modifiers=Control);
};
//Ctrl+X for Cut
interpret XF86Cut {
action = Redirect(Key=<AB02>, modifiers=Control);
};
//Ctrl+Pos1 for ScrollUp
interpret XF86ScrollUp {
action = Redirect(Key=<HOME>, modifiers=Control);
};
//Ctrl+End for ScrollDown
interpret XF86ScrollDown {
action = Redirect(Key=<END>, modifiers=Control);
};
//Ctrl+Shift+Z for Redo
interpret Redo {
action = Redirect(Key=<AD06>, modifiers=Shift+Control);
};
//Ctrl+Z for Undo
interpret Undo {
action = Redirect(Key=<AD06>, modifiers=Control);
};
//Alt-Pfeil nach Links for Backward (Firefox)
interpret XF86Back {
action = Redirect(Key=<LEFT>, modifiers=Mod1);
};
//Alt+Pfeil nach Rechts for Forward (Firefox)
interpret XF86Forward {
action = Redirect(Key=<RGHT>, modifiers=Mod1);
};
//ESC for Stop (Firefox)
interpret XF86Stop {
action = Redirect(Key=<ESC>);
};
// Ctrl+R for Reload (Firefox)
interpret XF86Reload {
action = Redirect(Key=<AD04>, modifiers=Control);
};
//Ctrl+F for Search Page (Firefox and most other applications)
interpret XF86Search {
action = Redirect(Key=<AC04>, modifiers=Control);
};
};
Somit wird eine Sondertaste immer auf eine bestimmte Tastenkombination gemappt.
Anschließend füge ich zur Datei /etc/X11/xkb/compat/complete die Zeile
augment "cymotion"
hinzu und muss dann nur noch in der /etc/X11/xorg.conf unter “XkbModel” “cymotionlinux” eintragen, damit nach einem Neustart des X-Servers dann auch wirklich die meisten Sondertasten funktionierten.
Fazit:
Die Cherry CyMotion Linux ist der Versuch eine Tastatur für Linux-Anwender auf den Markt zu bringen. Dieser Versuch kann als gescheitert bezeichnet werden. Zwar bringt die CyMotion Master Treiber für verschiedene Linux-Distributionen mit, jedoch ließen sich diese nicht meinen 08/15-Kubunut installieren. Auch die Installation über den Quellcode musste nach mehreren Versuchen abgebrochen werden. Einzig der Weg “zu Fuss” über die Konfiguration von xorg brachte nach kurzer Zeit ein zufriedenstellendes Ergebnis, was die Belegung Sondertasten betrifft. Dies hätte man mit jeder anderen Tastatur allerdings auf diesem Weg auch erreichen können.
Die Sondertasten selbst bieten ebenfalls keine Features, die speziell den Linux-Anwender vom Hocker reissen. So bleibt einzig der kleine Pinguin auf der “Tux Taste” der Grund dafür, als Linux-Anwender diese Tastatur einem normalen Keyboard mit Windows-Fähnchen vorzuziehen.
Abgesehen davon ist die Cherry eine solide Tastatur mit einem angenehmen Anschlag, die für 30 Euro ihr Geld durchaus wert ist.